Kürzlich öffnete ich an einem Samstagvormittag eine Flasche Sekt.
Kein Geburtstag.
Keine große Feier.
Kein besonderer Anlass.
Einfach, weil mir danach war.
Ein Freund schrieb daraufhin:
„Gönn’s dir.“
Dieser Satz blieb bei mir hängen.
Denn wie oft sagen wir das eigentlich?
Wir gönnen uns ein Eis.
Wir gönnen uns ein Glas Wein.
Wir gönnen uns ein langes Frühstück.
Wir gönnen uns neue Schuhe, einen Restaurantbesuch oder ein Wochenende am Meer.
Genuss scheint oft mit Dingen verbunden zu sein, die wir kaufen, essen oder trinken können.
Dieses Midsommar war anders.
Es gab kein Glas Wein.
Stattdessen gönnte ich mir ein Glas Ruhe.
Ein Glas Abstand zu all den Gedanken, die sonst so zuverlässig auftauchen.
Die Sorgen.
Die Selbstzweifel.
Bin ich gut genug?
Mache ich genug?
Erreiche ich genug?
Hätte ich mehr tun sollen?
Was, wenn es nicht klappt?
Für dieses Midsommar-Wochenende bekamen diese Stimmen frei.
Während es um Mitternacht immer noch taghell war, wurde mir bewusst, wie selten wir uns genau das erlauben.
Ruhe.
Vertrauen.
Stille.
Einfach den Moment.
Die Sonne.
Den Duft von Sommer.
Das Gefühl, dass das Leben nicht permanent bewertet, optimiert oder analysiert werden muss.
Manchmal besteht die größte Form von Genuss nicht darin, ihn im Außen zu suchen.
Sondern darin, etwas loszulassen.
Denn oft wartet er längst in unserem Inneren.
In einem Moment der Gelassenheit.
In einem tiefen Atemzug.
In dem Vertrauen, dass das Leben das Beste für uns bereit hält.
Seitdem gefällt mir der Satz „Gönn’s dir“ noch ein bisschen besser.
Denn manchmal bedeutet er ein Eis.
Manchmal ein Glas Sekt.
Und manchmal bedeutet er, die Selbstzweifel für eine Weile in den Urlaub zu schicken und stattdessen dem Leben das Wort zu überlassen.
Gönnen wir es uns.
